Ohrentzündungen – harmlos oder gefährlich?

 

Das Ohr als entscheidender Mittler der Sprache galt lange Zeit, nicht zu unrecht, als ein Wunder. Es war vollkommen unklar, wie überhaupt Sprache – die göttliche Gabe des Menschen gegenüber den Tieren – entsteht, und erst recht, wie diese gehört und verstanden wird.

 

„Diese Prozesse sind in der Tat sehr komplex, was sich auch in der Anatomie des Ohres widerspiegelt“, erläutert Prof. Dr. Andreas Gerstner, Chefarzt der Braunschweiger Hals-, Nasen-, Ohrenklinik am Klinikum Braunschweig. „Noch vor knapp 100 Jahren war eine chronische Ohrentzündung eine Krankheit mit hoher Sterblichkeit. Und das nicht nur, weil Antibiotika noch nicht erfunden waren, sondern vor allem, weil die operativen Behandlungsmethoden noch nicht so ausgereift waren wie heute. Heute wissen wir wesentlich mehr über Bau und Funktion des Ohres sowie über den Ablauf und die Behandlungsmöglichkeiten der verschiedenen Ohrentzündungen. So haben diese ihren Schrecken verloren, zumindest bei fachrechter Anwendung“.

 

Entzündungen

Entzünden können sich der Gehörgang, das Mittelohr und das Innenohr. Das Spektrum möglicher Symptome bei Entzündungen des Ohres ist groß. Es reicht von Juckreiz und Druckgefühl über Hör- und Gleichgewichtsstörungen bis hin zu Fieber und unerträglichen Schmerzen. Besonders Kinder leiden häufig unter Ohrbeschwerden.

 

Gehörgang

Eine akute Entzündung des Gehörganges ist meist sehr schmerzhaft. Hervorgerufen wird sie klassischerweise durch „Ohrenputzen“, wodurch der schützende Film des Ohrenschmalzes entfernt wird. Keime haben dann ein leichtes Spiel, insbesondere bei intensivem Badespaß. Ihre Behandlung führt in der Regel zu schneller Linderung und erfolgt durch antibiotikagetränkte Ohrenstreifen oder Ohrentropfen sowie Schmerzmittel.

 

Mittelohrentzündungen

Eine akute Mittelohrentzündung ist eine schmerzhafte, in der Regel durch Viren oder Bakterien verursachte Entzündung der Schleimhäute des Mittelohrs. Am häufigsten tritt sie bei Kindern im Säuglings- und Kleinkindalter, seltener bei Erwachsenen auf. Die Mittelohrentzündung selbst ist nicht ansteckend. Die Symptome werden manchmal ungenau z. B. auch als Bauchschmerzen oder Halsschmerzen angegeben. Neben Nasentropfen sind auch hier Schmerzmittel erforderlich. Ob eine Behandlung mit Antibiotika (als Saft oder Tabletten) notwendig ist, muss im Einzelfall mit dem Arzt geklärt werden. Sie sollte – einmal angefangen – ausreichend lange fortgesetzt werden, um den Übergang in eine chronische Entzündung zu verhindern. Doch auch in der akuten Phase sind Komplikationen möglich, die erkannt und behandelt werden müssen.

Bei der chronischen Entzündung werden zwei Formen unterschieden: die Schleimhauteiterung und die Knocheneiterung. Während die erste nur störend ist und allenfalls indirekt, durch die damit verbundene Höreinschränkung, eine Gefahr z. B. im Straßenverkehr darstellen kann, muss die Knocheneiterung operativ behandelt werden, je früher, desto besser.

 

Innenohrentzündung

Eine Entzündung im Innenohr ist immer Folge einer Verletzung, Operation oder Erkrankung am Ohr, z. B. eine weitergeleitete Mittelohrentzündung. Da im Innenohr auch das Gleichgewichtsorgan sitzt, kommt es nicht nur zu Schwerhörigkeit und Ohrgeräuschen, sondern auch zu Schwindel, Übelkeit und Erbrechen. Auch hier werden Antibiotika und durchblutungsfördernde Mittel gegeben. Ist der ursprüngliche Infektionsherd bekannt, muss dieser beseitigt werden.

 

Die HNO-Klinik des Klinikums Braunschweig

Die HNO-Klinik untersucht und behandelt alle Erkrankungen des Halses, der Nase, der Ohren, des Gesichtes und Gesichtsschädels. Zur Klinik gehören die Abteilung für Stimm-, Sprach-, Sprech- und kindliche Hörstörungen sowie die Abteilung für Neurootologie. Es findet eine enge Zusammenarbeit mit der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin statt, in der die von uns operierten Kinder stationär untergebracht sind. Für die Versorgung stehen in der  Hals-, Nasen-, Ohrenklinik zurzeit 52 Betten auf zwei Stationen zur Verfügung. Pro Jahr werden rund 3000 Patienten stationär und über 10.000 Patienten ambulant behandelt.

 

 

Prof. Dr. Andreas Gerstner,

 

Chefarzt der Braunschweiger Hals-, Nasen-, Ohrenklinik am Klinikum Braunschweig

 

Weiter Informationen zum Klinikum Braunschweig und der HNO-Klinik finden Sie im Internet unter www.klinikum-braunschweig.de

 

 

(Fotos: HNO-Klinik Klinikum Braunschweig)

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